Stillgelegt

Jule Büchle, Laura Stepper | WS 18/19

 

Wenn ein Gebäude seinen Zweck nicht mehr erfüllt und von den Menschen verlassen wurde, die dort gearbeitet, gewohnt oder gelebt haben, dann herrscht hier Stillstand. Stillgelegt bedeutet die temporäre oder dauerhafte Außerbetriebnahme von Orten, Gebäuden und Strukturen, die auf Grund der Einführung neuer Technologien unbrauchbar geworden sind. Es beschreibt die Phase des Übergangs zwischen Nutzen, allmählichen Verfall und dem endgültigen Verschwinden. Stillstand ist das Gegenteil von Dynamik, von Aktion. Stillstand ist Innehalten und Ausgangspunkt für eine neue Entwicklung zugleich.

Papierfabrik Lambrecht _ Um die Geschichte eines Ortes weiter zu erzählen ist es essenziell zu wissen, was einmal war und wie es dazu kam, was im Moment ist. Dabei geht es nicht nur um die Erfassung historischer Ereignisse, sondern auch um das Erfahren spezifischer Charakteristiken eines Ortes. Die aus dem Jahr 1890 stammende Papierfabrik Knoeckel Schmidt & Cie, erzählt mit ihrer Geschichte vom Aufbruch und Unternehmergeist des ausgehenden 19.Jahrhunderts. Als Sinnbild der baulichen Vielgestaltigkeit und Zeuge der architektonischen Entwicklung industrieller Bauten, steht die in horizontalen Schichten lesbare Formensprache. 

Refugium _ Der Genuis Loci der ehemaligen Papierfabrik wird geprägt von der isolierten Lage und der Natur des umliegenden Waldes. Dieser reicht bis hin an die Grenzen des Konglomerats, welches von den beiden Bachläufen des Speyerbachs umspühlt wird. Gleich einer Exklave liegt das Refugium isoliert und funktioniert in seiner Abgeschiedenheit als Ort des Rückzuges. Somit entwickelt sich das Refugium selbst ausschließlich auf der Insel, wodurch die Stille des Ortes und die Zurückgezogenheit thematisiert wird. Mit der Restrukturierung des Konglomerats entsteht ein System der Orientierung und Zonierung, welches Grundlage für die neue Funktion der Anlage ist. Die Rückbesinnung auf das Wesentliche wird zum formalen Leitgedanken der Gestaltung. Das Konzept der Einfachheit und des Verzichts wird durch die Idee des minimalen Eingriffs unterstützt. Die Reduktion auf das Essenzielle in Form von existenziellem Angebot und einfachen Interventionen bilden Ausgangspunkt der Transformation. Das Refugium formuliert einen Ort der Ruhe, an dem der Bestand in Kommunikation mit der Natur tritt. 

Mit der Intervention in einem dem Verfall preis gegebenen Bestand geht es darum Rückbezüge zu schaffen, aktuelle Qualitäten zu erkennen und auf Vergangenes als Potenzial für die Zukunft aufmerksam zu machen.

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