Stuttgarter Backhäuser

Max Hüffer, Lucas Oettinger | WS19/20

Backhäuser oder auch Gemeindebackhäuser sind in vielen ländlichen Gemeinden weit verbreitet. Die einfachen Zweckbauten, die in der Regel zwei bis vier Holzbacköfen beherbergen, entstanden ursprünglich um die Brandgefahr innerhalb der Dörfer zu reduzieren. Regelmäßige Backtage ersparten Bäcker, den eigenen Ofen und Energie und stellten ein wichtiges, Interaktion und Gemeinschaft förderndes Datum dar. Einerseits wurden beim Warten auf Brot und Kuchen Neuigkeiten ausgetauscht, andererseits wurden handwerkliche Fähigkeiten an die nächste Generation weitergereicht.

Unser Entwurf stellt drei Vorschläge dar, wie das gesellschaftliche Potenzial des ländlichen Backhauses einer urbanen Gesellschaft zugänglich gemacht werden kann. Selbstverständlich erfordern die unterschiedlichen sozialen Zusammenhänge von Dorf und Stadt auch unterschiedliche Herangehensweisen. Während im Dorf kleine, gleichbleibende Nutzergruppen agieren, müsste das Backhaus in der Stadt auf vielfältige, sich oft ändernde Nutzergruppen mit potentiell peripherer Wohnsituation angepasst sein. Anders als auf dem Dorf hat das städtische Backhaus nicht den Anspruch autarke Menschen aus den Nutzern zu machen, sondern ihnen Stadtraum in Form von baulich gefassten Plusflächen zurück zu geben. Das Backen wird zum Event.

Um Aufmerksamkeit bei potentiellen Nutzern zu generieren, müssen die Backhäuser mit den vielfältigen menschlichen Motiven einer heterogenen Stadtgesellschaft in Dialog treten. Dazu ist es einerseits erforderlich eine ausreichende Differenz zu dem einheitlichen baulichen Kontext zu schaffen. Andererseits ist Vorsicht geboten vor zu großer gestalterischer Autonomie, die leicht zum Ausgangspunkt selbstreferenzieller Einfalt werden kann. Die Gebäude bedienen sich einer Ikonografie die dem Betrachter leicht zugänglich sein soll. Es wird ein (fiktiver) roter Faden der traditionellen Stuttgarter Backhausarchitektur wieder aufgenommen und weitergesponnen. Farbgebung und die Verwendung unterschiedlichster Analogien erzeugen eine skurrile und deshalb unverkennbare Emblematik. Beim Nähertreten offenbart sich die kulissenhaft applizierte, dem Holzskelettbau vorgehängte, keramische Fassade die im polemischen Spannungsfeld zum verausgabenden Charakter der Formensprache steht. Die profane Funktion entblößt sich und das Gebäude offenbart seinen inklusiven Charakter.

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